Der Konjunktiv I und II

 

 

Den Konjunktiv I benutzen wir im Deutschen für die indirekte Rede. Besonders wichtig ist er in der schriftlichen Form. Wenn Sie den Konjunktiv I auch in der gesprochenen Sprache benutzen, zeigen Sie, dass Sie wirklich gut Deutsch sprechen und ein gebildeter Mensch sind.

Für die meisten Deutsch Lernenden ist es am Anfang zunächst einmal wichtig, dass sie den Konjunktiv I erkennen und verstehen. Meistens wird diese Form in der Zeitung oder in Nachrichten im Radio und im Fernsehen benutzt.

 

Bildung des Konjunktiv I

 

Um den Konjunktiv I zu bilden, benötigt man den Infinitiv (= die Nennform) des Verbes. Von dieser Nennform trennen wir das –en (= Infinitivmorphem) ab und hängen die entsprechenden Endungen des Konjunktiv I an die verbleibende Stammform.

 

 

Indikativ

 

Konjunktiv I

ich

lern – e

ich

lern – e

du

lern – st

du

lern – est

er, sie, es

lern – t

er, sie, es

lern – e

wir

lern – en

wir

lern – en

ihr

 lern – t

ihr

lern – et

sie, Sie

lern – en

sie, Sie

lern – en

 

Wie aus dieser Tabelle ersichtlich ist, überschneiden sich bei der 1.P.Sg., der 1. P.Pl. und der 3.P.Pl. die Formen des Konjunktivs I mit dem Indikativ. Deswegen muss man auf die Ersatzform ausweichen: den Konjunktiv II.

 

Verwendung des Konjunktiv I

Wir verwenden den Konjunktiv I, um eine direkte Rede indirekt wiederzugeben und dem Gesagten Glauben schenken. Darüber hinaus verwenden wir ihn, um einen realen Wunsch zu äußern.

 

Beispiel:

Sie betont, dass sie den ganzen Nachmittag Vokabeln gelernt habe.

 

Bildung des Konjunktivs II

 

Um den Konjunktiv II zu bilden, benötigt man die Präteritum-Form des jeweiligen Verbes. D.h., Sie müssen vor allem die unregelmäßigen Verben gelernt und verinnerlicht haben. An die Präteritum-Form hängen wir die entsprechenden Endungen an:

 

 

Präteritum

 

Konjunktiv II

ich

gab

ich

gäbe

du

gabst

du

gäbest

er, sie, es

gab

er, sie, es

gäbe

wir

gaben

wir

gäbet

ihr

gabet

ihr

gäbet

sie, Sie

gäbet

sie, Sie

gäben

 

Wie aus dieser Tabelle hervorgeht, werden bei den starken Verben die Vokale (a, o und u) in den meisten Fällen umgelautet.

Überschneiden sich die Formen des Konjunktivs II mit den Präteritum-Formen, so müssen wir auf die Ersatzform würden + Infinitiv ausweichen.

 

Verwendung des Konjunktivs II

 

1. Irreale Wünsche

Wünsche, die im Gegensatz zur Realität stehen, drückt man mit dem Konjunktiv II aus. Meist wird der Wunsch unterstrichen durch Partikel wie doch, doch nur, nur, bloß. Wird der irreale Wunsch mit wenn eingeleitet, steht das finite Verb am Schluss.

Wenn doch endlich Sommer wäre.

In Wunschsätzen ohne wenn steht da finite Verb am Satzanfang.

Hätte ich doch mehr Zeit.

2. Irreale Bedingungssätze

Der Bedingungssatz wird meist mit der Konjunktion wenn eingeleitet.

 

Wenn ich ein Vogel wäre, wäre ich ein Falke.

Wenn ich nicht krank gewesen wäre, wäre ich sicher zu dir gekommen.

 

Er kann jedoch auch mit dem finiten Verb beginnen.

 

Wäre ich ein Vogel, wäre ich ein Falke.

Wäre ich nicht krank gewesen, wäre ich sicher zu dir gekommen.

 

Der Bedingungssatz drückt eine hypothetische Annahme aus. Die Bedingungen und die Folgen sind nicht real gegeben.

Bedingungen und Folgen, die sich auf die Vergangenheit beziehen, können nicht mehr realisiert werden.

 

3. Irreale Vergleichssätze

Der irreale Vergleichssatz steht meist mit den Konjunktionen als, als ob, als wenn. Bei Sätzen mit als steht das finite Verb an zweiter Stelle, bei Sätzen mit als ob, als wenn steht das finite Verb am Ende des Satzes.

 

Du siehst aus, als wärest du sehr in Eile.

Sie sah mich an, als ob sie mich noch nie gesehen hätte.

 

Statt des Konjunktivs II wird manchmal auch der Konjunktiv I verwendet.

Er tut, als kenne er mich schon seit Jahren.

 

Irreale Vergleichssätze geben Vergleiche wieder, die der Realität entsprechen können, oft aber auch unwahrscheinlich oder unmöglich sind.

 

4. Höfliche Bitten

Bei höflichen Bitten wird zumeist der Konjunktiv 2 verwendet.

 

Könnten Sie mir bitte sagen, wie spät es ist.

Wären Sie so freundlich, mir zu helfen.

Ich hätte gerne einen Kaffee.

Würdest du bitte die Tür schließen.

 

Der Konjunktiv II wird aber auch verwendet…

 

- für Empfehlungen und Vorschläge

Ich würde mich bei diesem Wetter wärmer anziehen.

 

- für Vermutungen mit müsste, dürfte, sollte, könnte.

Sie müsste zu Hause sein.

Das könnte eine spannende Sache werden.

 

- um Erstaunen auszudrücken

Ich hätte nie gedacht, dass ich das schaffe.

 

- um Zweifel auszudrücken.

Hätte ich nicht die andere Ausfahrt nehmen müssen?

 

 

 Quelle: Herbert Paukert/Susanne Holböck: DEUGRA. 5. Auflage.

 

 

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Übungen zum Konjunktiv I und II
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